Arbeitszeit muss der Praxis gerecht werden

Rechtliche Rahmenbedingungen im Bereich der Arbeitszeit müssen dringend neu geschaffen werden. Wir haben ein Maßnahmenpaket ausgearbeitet.

Die Regierung bekennt sich in ihrem Arbeitsprogramm zur Arbeitszeitflexibilisierung und erkennt gleichzeitig die Notwendigkeit, auf „golden plating“, also die musterknabenhafte Umsetzung von EU Richtlinien, zu verzichten. Auf Basis dieses Regierungsprogrammes sind für den österreichischen Tourismus, insbesondere für die von Saison- und Ferientourismus geprägten westlichen Bundesländer folgende konkreten Themen im Bereich der Arbeitszeitflexibilisierung  von Bedeutung.

   

1.      Tägliche Ruhezeit

   

Die Verkürzung der täglichen Ruhezeit von 11 auf max. 8 Stunden ist derzeit ungünstig geregelt und wird kaum in Anspruch genommen. Zudem steht sie nur Saisonbetrieben zur Verfügung. Künftig soll die Verkürzung der Ruhezeit allen Betrieben für Mitarbeiter mit geteilten Diensten ermöglicht werden. Eine Dokumentation der reduzierten Stunden erfolgt weiterhin auf einem Ruhezeitkonto. Der Ausgleich (Abbau) soll durch Verlängerung anderer Ruhezeiten im Verhältnis 1:1 sowie über Tagesfreizeiten zwischen zwei geteilten Diensten im Verhältnis 2:1 möglich werden.

    

2.      Wöchentliche Höchstarbeitszeit

   

Die wöchentliche durchschnittliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden soll bestehen bleiben. Allerdings soll durch KV die Durchrechnungszeit von derzeit 17 auf 26 Wochen erweitert werden. Darüber hinaus sollen im AZG durch Einzelvereinbarung im Dienstvertrag auch längere Wochenarbeitszeiten (zB 54 Stunden) ohne Durchrechnungsverpflichtung ermöglicht werden. Als Ausgleich soll ein erhöhter Überstundenzuschlag (z.B. 75%) geboten werden. Die EU-Arbeitszeitrichtlinie steht dem nicht entgegen.

    

3.      Tägliche Normal- und Höchstarbeitszeit

   

Im AZG soll die tägliche Normalarbeitszeit auf 10 Stunden erhöht und die Möglichkeit der Erweiterung durch KV auf 12 Stunden geschaffen werden. Die tägliche Höchstarbeitszeit soll auf zwölf Stunden ausgedehnt werden.

   

4.      Wochenruhezeit

    

In anderen Branchen ist eine kalenderwochenübergreifende Zusammenlegung von Wochenruhezeiten und damit eine zusammenhängende Arbeitszeit von zumindest 10 Tagen schon jetzt möglich. Aufgrund der üblichen Wochenendarbeit im Gastgewerbe ist diese Möglichkeit Tourismusbetrieben bisher weitgehend verwehrt geblieben. Durch eine flexible Verschiebung (Durchrechnung) der Wochenruhezeiten innerhalb eines Zeitraumes von zwei Wochen soll diese Möglichkeit in Zukunft auch für Tourismusbetriebe geschaffen werden.

    

5.      Sonntagsbeschäftigung von Jugendlichen

   

Die Beschäftigung von Jugendlichen an aufeinanderfolgenden Sonntagen ist derzeit völlig praxisfremd geregelt und wird daher kaum bis nie in Anspruch genommen.

Künftig soll im Einvernehmen mit dem Jugendlichen eine flexible aufeinanderfolgende Sonntagsbeschäftigung im Ausmaß von 23 Sonntagen pro Jahr ermöglicht werden. Eine Dokumentation der Sonntagsbeschäftigung soll im Rahmen der bestehenden Arbeitszeitaufzeichnungen erfolgen. Wenn bei Lehr- oder Dienstverhältnissen, die kürzer als zwölf Monate dauern, schon mehr als die Hälfte der Sonntage gearbeitet worden ist (zB bei einer vorzeitigen Auflösung des Dienstverhältnisses), sollten die zu viel geleisteten Sonntagsstunden mit einem Zuschlag von 50 % abgegolten werden.